Ostseeallianz-10-5-2022

 

Ostseeschutzallianz kritisiert Hafenausbau in Rostock

10. Mai 2022

Niederbaggern des Moores heizt Klimawandel an Kein Platz für schwimmendes LNG-Terminal im Warnow-Ästuar

 

Die Umweltverbände der Ostseeschutzallianz Mecklenburg-Vorpommern BUND, NABU und WWF sprechen sich eindringlich gegen die Zerstörung von Naturräumen bei dem geplanten Ausbau des Rostocker Hafens aus.

Der Hafenausbau würde das Mündungsgebiet der Warnow in die Ostsee mit dessen wertvollen und unersetzbaren Küstenbiotopen zerstören, den Hochwasserschutz gefährden und den Klimawandel weiter anheizen. Ein 200 Hektar großes Küstenüberflutungsmoor am Breitling müsste beseitigt werden, das ist ein inzwischen extrem selten gewordener Biotoptyp. Dadurch würden mehrere Tausend Tonnen Klimagase und viele Schadstoffe in die Ostsee freigesetzt und können auch zukünftig nicht mehr gebunden werden. Durch die Ausbaggerung des Breitlings zum Tiefwasserhafen zusammen mit der Überbauung des Mündungsgebietes des Peezer Baches ist eines der wenigen Heringslaichgebiete der Ostsee gefährdet. Der Peezer Bach ist zudem ein Meerforellengewässer und Laichgebiet für geschützte Flussneunaugen aus der Ostsee. Nach Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie wurde der Peezer Bach im Jahr 2011 aufwändig zu einem naturnahen Gewässer umgestaltet. Für den Hafenausbau soll das Gewässer nun beseitigt und künstlich an einer anderen Stelle erstellt werden.

Die Umweltverbände der Ostseeschutzallianz sind sich einig: Der Mündungsbereich des Peezer Baches ist mit seinem Küstenüberflutungsmoor im Gesamtverlauf der deutschen Ostseeküste ökologisch besonders wertvoll und unersetzbar.

Die Ostseeschutzallianz warnt auch davor, kurzfristig ein schwimmendes LNG-Terminal im Breitling zu verankern. Für anlaufende Tanker und das riesige LNG-Terminal-Schiff sei deutlich zu wenige Platz im Tiefwasserbereich vor den Hafenanlagen. Eine dann notwendige Ausbaggerung hätte schwere Folgen, wäre naturschutzrechtlich kaum zulässig und könne ohnehin nicht kurzfristig realisiert werden.

Durch die Vernichtung der Flachwasserzonen des Breitlings und des Moores würde die Selbstreinigungsfähigkeit im Ästuar der Warnowmündung noch weiter herabgesetzt. Der Nähr- und Schadstoffeintrag in die Ostsee würde steigen und Heringe hätten noch weniger Laichgebiete mit der Folge, dass es noch weniger Hering geben wird.

Auch das Artensterben würde durch den geplanten Hafenausbau weiter beschleunigt werden. Für die vom Aussterben bedrohte Laufkäferart Agonum monachum, die in Salzwiesen und -röhrichten lebt, ist das Mündungsgebiet des Peezer Baches einer von nur noch vier verbliebenen Lebensorten in Mecklenburg-Vorpommern. Das nächste Vorkommen in ganz Zentraleuropa liegt am Neusiedler See. Mecklenburg-Vorpommern hat hiermit herausragende Verantwortung für das Überleben dieser Tierart.

Das Gebiet der Oldendorfer Tannen würde bei einer Süderweiterung des Hafens betroffen - es umfasst das einzige aktive Kliff am Warnow-Ästuar. Hier brüten sogar Eisvögel, Uferschwalben und Wildbienen.

Zudem steige die Hochwassergefahr durch den Hafenausbau, so die Umweltverbände. Besonders die Vertiefung des Seekanals lässt Ostseehochwässer viel schneller und deutlich höher in der Hansestadt auflaufen.

Die Zerstörung von 200 Hektar Moor würde mehr als 5.000 Tonnen Klimagase freisetzen. Damit kann das Vorhaben die von der EU vorgeschriebene Klimaverträglichkeit nicht bestehen, monieren die Umweltverbände der Ostseeschutzallianz. Ein zerstörtes Moor und zerstörte Fischlaichgebiete können nicht ersetzt werden. Die Ostseeschutzallianz fordert deshalb eine grundsätzliche Überprüfung und Korrektur der geplanten Hafenerweiterung, da die aktuellen Planungen rechtlich nicht haltbar sein werden und den Anforderungen des Gewässer-, Klima- und Naturschutzes entgegenstehen.

Hintergrund Klimawirksamkeit:

Moore stellen die größte natürlich CO2-Senke dar, die das durch Pflanzen aus der Atmosphäre entzogene CO2 über Jahrtausende sicher einlagern. Entwässerte Moore dagegen setzen das langlebige CO2 und das 310mal schädlichere Lachgas in Größenordnungen frei! Mit 6,2 Mio t CO2-Äquivalent sind entwässerte Moore schon jetzt die größte Emissionsquelle in M-V. Ein Hektar wachsendes Moor speichert bis zu 6 t CO2 pro Jahr.

1 Hektar entwässertes Moor emittiert dagegen bis zu 25 t CO2 plus Lachgas pro Jahr. Nur eine Wiedervernässung kann diese Emissionen beenden. Diese Wiedervernässung würde durch den Hafenausbau unmöglich.

Rückfragen an die Umweltverbände über Corinna Cwielag: 0178 5654700 (BUND)