Die Bedeutung des Warnow-Ästuars für die Artenvielfalt

Die Bedeutung des Warnow-Ästuars für die Artenvielfalt


Die Unterwarnow (von der Rostocker Altstadt bis Warnemünde) ist als Naturraum absolut einzigartig an der deutschen Ostseeküste.


An der deutschen Ostseeküste gibt es nur ein weiteres Ästuar, die Trave bei Lübeck. Besonders waren an diesem Naturräumen vor allem die ausgedehnten Küstenmoorflächen und die Flachwasserbereiche.
Die Unter-Warnow ist ein sogenanntes Ästuar, ein breiter Wasserkörper an der Mündung eines Flusses, der sowohl durch Süßwasser als auch durch Salzwasser beeinflusst wird. Dieses Wasser mit geringen, sich verändernden Salzgehalten nennt man Brackwasser (1 bis 10 g Salz pro Liter). Zum Vergleich: In der Nordsee und den Ozeanen liegt die Salzkonzentration bei 28 bis 32 g pro Liter. Die Brackwasserzonen werden im Allgemeinen von nur wenigen hochspezialisierten Arten, dafür aber in einer hohen Populationsdichte besiedelt.
Das Moor an der Trave ist komplett weg - vor allem durch Überbauung.

An der Warnow ist auch fast alles weg - besonders seit den 60er Jahren wurde nach und nach fast das gesamte Ufer überbaut:
-im Norden wurde Land aufgeschüttet, damit das Militär sich dort ansiedeln kann,
-im Süden wurde der Überseehafen gebaut,
-im Nordosten und Norden sind Spülfelder, wo der Aushub aus der Warnow hin gespült wird, wenn sie ausgebaggert wird.
- Im Westen wurden ausgedehnte Wohngebiete im industriellen Plattenbaustil aus dem Boden gestampft - dort gab es in den 50ern noch Orchideenwiesen bis zum Horizont,die die Menschen noch körbeweise gepflückt haben (z. B. die geschützte Art breitblättriges Knabenkraut).
Beim Hafenausbau geht es darum, die letzten 0,2 % Natur, die vom Warnow-Ästuar noch geblieben sind unwiederbringlich zu zerstören.
Dieses verstößt gegen die EU-Wasserrahmenrichtlinie. Die Wasserrahmenrichtlinie gebietet seit dem Jahre 2000 allen EU-Staaten, alle ihre Gewässer in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen: Flüsse, Seen, Grundwasser und Küstengewässer. Es gilt also ein gesetzliches Verbesserungsgebot für die Unter-Warnow. Eine Überbauung der natürlichen Flachwasserbereiche stellt jedoch eindeutig eine Verschlechterung dar.
Ein Beispiel für die Besonderheit des Moores am Peezer Bach ist der Salz-Glanzflachläufer, der in Mitteleuropa nur noch an vier Standorten vorkommt. Er lebt nur im Schilf von brackigen Gewässern wie hier am Peter Bach. Drei der vier Vorkommen sind hier bei uns an der Warnow. Das nächste Vorkommen ist im Nationalpark Neusiedlersee an der österreichischen-ungarischen Grenze. Wenn Arten nur an so wenigen, weit entfernten Orten vorkommen, ist es offensichtlich, dass sie vom Aussterben gefährdet sind.

Natur- & Erlebnisraum Warnow-Ästuar -Ein Umweltbildungsprojekt des NABU Mittleres Mecklenburg