BUND steigt aus Hafenforum aus

25. März 2022

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) steigt aus dem Hafenforum aus. Das nicht-öffentliche Forum sollte dem konstruktiven Austausch zwischen Hafengesellschaft, Stadtverwaltung, Umweltverbänden und Bürgerinitiativen dienen. Das ist jedoch bis heute nicht der Fall. Die Öffnung des Forums zu einem Hafenbeirat beurteilen die Umweltverbände als faulen Kompromiss.

Ungeachtet der Klima- und Biodiversitätskrise sowie aktueller Entwicklungen hält die Hafengesellschaft, die Rostock Port GmbH, seit Jahren kompromisslos an ihren Plänen fest, die Hafenfläche in ökologisch wertvolle Gebiete hinein auszudehnen. Dafür sollen eines der letzten noch intakten Küstenüberflutungsmoore an der Peezer Bach-Mündung, ein Wald und der letzte Steiluferabschnitt der Warnow, die Oldendorfer Tannen, abgebaggert bzw. versiegelt werden.

„Die gesamte öffentliche Wahrnehmung ist bisher einseitig pro Hafenausbau gesteuert worden: im Seehafengutachten wurden vorrangig Wirtschaftsinteressen berücksichtigt und der Klimawandel mit keinem Wort erwähnt. Die Kommunikationsstrategie wurde ebenfalls vom Hafen beauftragt und finanziert. Der Regionale Planungsverband – eigentlich ein neutraler Vermittler – hat sich in diesem Fall ebenfalls klar zum Hafen positioniert. Und die fachlichen Einwände der Umweltverbände zu den schwerwiegenden Auswirkungen fanden nicht öffentlich statt und wurden – anders als vom Hafen dargestellt - bisher ignoriert. Deswegen ist der NABU bereits vor Jahren aus dem Hafenforum ausgestiegen.“ fasst Susanne Schumacher, Sprecherin des BUND Rostock zusammen.

„Die Rostockerinnen und Rostocker werden von der Zerstörung des Moores, der Ausbaggerung des Breitlings, der Verlegung des Peezer Baches und den großflächigen Versiegelungen direkt und indirekt betroffen sein. Wohn- und Erholungsgebiete werden erheblich beeinträchtigt. Die Pufferfunktion des Warnow-Ästuars wäre weitgehend zerstört. Wichtige Ökosystemdienstleistungen des Moores, wie CO2- Speicherung und Nährstofffilterung gingen ebenso unwiderbringlich verloren wie der Lebensraum hoch spezialisierter und überregional gefährdeter Arten. Solche Verluste lassen sich nicht an anderer Stelle ausgleichen. Auch der Wald im beliebten Naherholungsgebiet der Rostocker Heide zwischen Schnatermann und Markgrafenheide würde erheblich durch Salzstress geschädigt werden. All dies wurde von den Umweltverbänden seit Jahren im Hafenforum vorgetragen, doch seitens des Hafenbetreibers uns seiner Planer ignoriert.“ gibt sich Ralph Emmerich, Sprecher des NABU MM, enttäuscht.

BUND und NABU fordern stattdessen ein breites öffentliches Bürgerbeteiligungsverfahren und haben das Anfang des Jahres beim städtischen Bürgerbeteiligungsbeirat beantragt. Dieses muss dann neutral moderiert und mit neutralen Informationen für und gegen die Zerstörung des Naturraums durchgeführt werden. „Bei einem Hafenbeirat dagegen sind die Mitglieder vorausgewählt und die Rostockerinnen und Rostocker nur durch eines dieser Mitglieder repräsentiert. Wir wollen stattdessen, dass die Menschen breit über die Ortsbeiratsversammlungen und über Infoabende in den Stadtteilbegegnungszentren mit Informationen versorgt werden. Ein Hafenausbau darf nicht auf Kosten wichtiger natürlicher Lebensgrundlagen gehen.“ so Schumacher weiter.

Was viele nicht wissen: Nur ein geringer Teil der beanspruchten Flächen ist tatsächlich für den an die Kaikante gebundenen Hafenumschlag vorgesehen. Ein erheblicher Teil der Erweiterungsflächen soll für nicht zwingend hafengebundene Industrie- und Gewerbenutzungen vorbereitet werden. Die Umweltverbände schlagen vor, den überwiegenden Anteil der Gewerbe- und Industrieflächen alternativ im gut angebundenen Hinterland anzusiedeln. Bereits versiegelte Flächen sollten nicht verschwenderisch, sondern effizient genutzt – z.B. wieder nutzbar gemacht, aufgestockt und gemeinschaftlich genutzt werden.

Für Rückfragen: Susanne Schumacher 0176 21311985

Und hier der Artikel aus der OZ vom 29. 3. 2022 dazu.